Im Frühjahr 2026 besuchten vier Sprecherinnen aus Bolivien auf Einladung des Welthaus Österreich sechs österreichische Bundesländer.
Alicia Cuiza Churquí (CEPA) und Erika Rojas (CIPCA Regional Altiplano) sowie Águeda Colque (ISALP) und Lenny Espinoza (CERDET) berichteten in Schulen, Pfarren, Gemeinden und bei öffentlichen Veranstaltungen über die Folgen von Umweltzerstörung und Klimakrise für indigene Gemeinschaften – und über den Mut und die Kraft jener Frauen, die sich tagtäglich für den Schutz ihrer Lebensgrundlagen einsetzen.
Während ihres Aufenthalts trafen die Gäste in 60 verschiedenen Aktivitäten auf über 900 Personen – darunter Schüler:innen, Studierende, Engagierte aus der Zivilgesellschaft sowie Vertreter:innen aus Politik, Kirche und Entwicklungszusammenarbeit. In Workshops, Vorträgen, Expert:innengesprächen und Medienterminen entstand ein intensiver Austausch über Umweltgerechtigkeit, globale Zusammenhänge und gemeinsame Verantwortung.
Umweltzerstörung kennt keine Grenzen
Im Mittelpunkt der Begegnungen standen die dramatischen Veränderungen der Flüsse und Seen im bolivianischen Hochland. Umweltverschmutzung durch Bergbau, die Ausweitung industrieller Landwirtschaft und die Folgen der Klimakrise belasten Gewässer, Böden und die Gesundheit der Menschen. Wasser wird vielerorts knapp, traditionelle Lebensgrundlagen gehen verloren und insbesondere indigene Gemeinschaften sind in ihrer Ernährungssicherheit und ihrer kulturellen Identität bedroht.
Die Aktivistinnen machten deutlich, dass diese Entwicklungen weit über Bolivien hinausreichen. Viele der dort gewonnenen Rohstoffe gelangen über internationale Lieferketten in Produkte, die weltweit genutzt werden. Die Situation zeigt eindrücklich, wie eng lokale Umweltprobleme mit globalen Wirtschafts- und Konsumstrukturen verknüpft sind und wie wichtig gemeinsames Handeln für eine nachhaltige Zukunft ist.
Lasst uns Protagonist:innen des Wandels sein und nicht Kompliz:innen der Zerstörung.
Águeda Colque
Frauen gestalten den Wandel
So herausfordernd die Situation ist, so beeindruckend sind die Antworten der betroffenen Gemeinschaften. Im Zentrum stehen Frauen, die Verantwortung übernehmen und neue Perspektiven schaffen. Sie organisieren sich in Kollektiven, entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten, setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser ein und bewahren traditionelles Wissen über den respektvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Die vier Aktivistinnen brachten dabei ihre unterschiedlichen Erfahrungen ein: Alicia Cuiza Churquí arbeitet mit Frauen und indigenen Gemeinschaften zu Umweltmanagement, traditioneller Medizin und nachhaltigen Lebensgrundlagen. Erika Rojas begleitet Gemeinden im Altiplano bei agrarökologischen Projekten und stärkt insbesondere Frauen und Jugendliche. Águeda Colque engagiert sich für Gendergerechtigkeit, Ernährungssouveränität und den Dialog mit indigenen Gemeinschaften. Lenny Espinoza arbeitet mit dem Volk der Weenhayek zu Menschenrechten, Klimawandel sowie der Sicherung traditioneller Lebensgrundlagen wie Fischerei und Kunsthandwerk.
Ihre Berichte machten deutlich, dass Empowerment weit mehr bedeutet als wirtschaftliche Unterstützung. Es bedeutet, Frauen zu stärken, damit sie ihre Rechte wahrnehmen, Verantwortung übernehmen und die Zukunft ihrer Gemeinschaften selbst mitgestalten können.
Buen Vivir – Leben im Einklang mit der Natur
Ein weiterer Schwerpunkt der Begegnungen war das indigene Konzept des Buen Vivir – des „guten Lebens“. Es beschreibt ein Leben im Einklang mit der Natur, getragen von Gemeinschaft, gegenseitiger Verantwortung und einem respektvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Für viele indigene Gemeinschaften ist Wasser nicht nur eine Ressource, sondern Teil ihrer Kultur, ihrer Identität und ihres Lebens. Dieses Verständnis eröffnete neue Perspektiven auf nachhaltige Entwicklung und regte dazu an, den eigenen Umgang mit Natur und Ressourcen zu hinterfragen.
Dialog auf Augenhöhe
Während der gesamten Aufenthalts stand die Begegnung auf Augenhöhe im Mittelpunkt: gegenseitiges Zuhören, gemeinsames Lernen und der offene Austausch. Die Gäste aus Bolivien brachten ihre Erfahrungen, Perspektiven und Lösungsansätze ein – gleichzeitig entstanden auch neue Impulse durch die Begegnungen in Österreich. Dabei wurde deutlich: Wir sind Teil globaler Umweltprobleme – können aber ebenso Teil der Lösung sein.
Wie eindrücklich diese Begegnungen wirkten, zeigt auch das Feedback aus den Bildungseinrichtungen. Eine Lehrperson formulierte rückblickend:
Die Schüler:innen waren gefesselt vom Thema und der Energie der Referentinnen.
Resonanz und mediale Weitergabe
Auch über die einzelnen Veranstaltungen hinaus fanden die Anliegen und Perspektiven der Aktivistinnen Gehör. Ein Radiobericht zur Begegnungsreise greift zentrale Themen und Stimmen auf und macht die Perspektiven der Gäste auch einem breiteren Publikum zugänglich. Der Beitrag ist online nachhörbar: https://cba.media/775325
Internationale Begegnungen wie diese schaffen Bewusstsein für globale Zusammenhänge und zeigen, wie wichtig Solidarität, gemeinsames Lernen und verantwortungsvolles Handeln für eine gerechtere Zukunft sind.

